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Hochschulpapier – Angebote der Hochschulgruppen

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Jährlich beginnen ca. eine halbe Millionen junger Menschen ihr Studium an einer deutschen Universität oder Hochschule. An größeren Fakultäten von oftmals 500 bis 1000 Studenten verliert der Einzelne zunehmend an Bedeutung. Auf der Suche nach Gemeinschaft schließen sich die Studenten daher häufig einer der dutzenden Hochschulgruppen an ihrem Standort an. Ob politisch, gesellschaftlich, caritativ oder religiös – zahlreiche Nischen werden durch das Angebot der Hochschulgruppen abgedeckt.

Aufgaben der Studentenverbindungen an Universitäten und Hochschulen

Ein ebensolcher Zusammenschluss von Studenten sind die Studentenverbindungen. Seit ca. 1800 existieren Studentenverbindungen an deutschsprachigen Universitäten. Sie verpflichten sich, ihre Mitglieder zu einem gesellschaftlichen Leben anzuhalten, ihr Interesse an der Wissenschaft zu fördern und unter ihnen Freundschaft und Geselligkeit zu ermöglichen.[1] Die meisten Verbindungen bieten darüber hinaus durch eigene Verbindungshäuser und Wohnungen Zimmer für Studenten zu günstigen Mieten an. Diese Kombination aus sog. Soft-Skills und Wohnraum stellt für Universitäten einen unbezahlbaren Mehrwert dar. Dennoch wird es den meist als nicht eingetragene Vereine organisierten Verbindungen jüngst immer schwieriger gemacht, sich am universitären Leben zu beteiligen.

An unterschiedlichsten Hochschulstandorten wird mittlerweile der Status von Verbindungen als Hochschulgruppe aberkannt, wodurch das Werben neuer Mitglieder sowie die Anmietung von Räumlichkeiten an Universitäten erschwert wird. Darüber hinaus kommt es im täglichen Diskurs zu Diffamierungen, Diskriminierungen und Übergriffen. So kommt es sowohl gegen weibliche als auch männliche Mitglieder häufig zu Beleidigungen in Studierendenparlamenten (StuPa) oder auf dem Campus, aber auch vor körperlicher Gewalt wird nicht zurückgeschreckt, wie beispielsweise der tätliche Angriff auf ein Mitglied eines Corps in Hamburg während einer StuPa -Sitzung zeigte.[2]  Wir als Zusammenschluss von katholischen Studenten lehnen jede Form von Diskriminierung und Gewalt aufgrund unseres christlichen Weltbildes ab.

Meinungsfreiheit an deutschen Universitäten

Mit großer Besorgnis beobachten wir eine sich stetig verschlechternde Diskussionskultur an Universitäten. So mussten jüngst Veranstaltungen von Politikern an Universitäten abgebrochen werden, da diese entweder von Aktivisten verhindert wurden oder gar nicht erst durch die Universität genehmigt wurden.[3] Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab, dass auch viele Hochschullehrer das Meinungsklima insbesondere in politischen, religiösen und Genderfragen als intolerant empfinden.[4] Die AGV hat bereits in der Vergangenheit vor Denkverboten im akademischen Umfeld gewarnt: Durch Drohkulissen und Blockaden darf niemand vom akademischen universitären Diskurs ausgeschlossen werden.[5]


Partizipation von Studentenverbindungen in der Hochschulpolitik

Politisch neutral, aber nicht unpolitisch

Katholische Korporationen sind Anlaufpunkte für verschiedenste Persönlichkeiten. Selbstverständlich gibt es auch in unseren Reihen viele engagierte Mitglieder, die sich in ihrer Freizeit im Rahmen der studentischen Selbstverwaltung politisch engagieren. Durch den in unseren Korporationen kultivierten Austausch über Fachgrenzen hinweg und den Stellenwert einer gepflegten Debattenkultur in unseren Verbindungen, sind Verbindungsstudenten qualifiziert, sich auch politisch zu engagieren.

Korporationen sind die historischen Vorläufer der heutigen politischen Hochschulgruppen. Im Gegensatz zu politisch geprägten Korporationen unterscheiden sich katholische Verbindungen gerade durch die Tatsache, dass sich unsere Mitgliedsverbände keinem politischen Programm verschreiben. Wir sind, wie auch in anderen Bereichen, ein Querschnitt der Gesellschaft und haben deshalb sowohl gänzlich unpolitische als auch politisch sehr engagierte Mitglieder. Die Breite des politischen Spektrums findet sich dabei auch in unserer Mitgliederschaft wieder. Wir schätzen diese Pluralität, stellen uns jedoch gleichzeitig ganz klar gegen jegliche verfassungsfeindliche Gesinnung: Extremismus und Fundamentalismus haben in katholischen Korporationen keine Daseinsberechtigung, egal welchem Spektrum sie zuzuordnen sind.

Gezielte Exklusion von Verbindungsstudenten in der Hochschulpolitik

Gleichwohl finden Couleurstudentinnen und Couleurstudenten auf hochschulpolitischer Ebene meist nur bei wenigen politischen Hochschulgruppen eine Plattform, auf der sie politisch partizipieren können, ohne wegen ihres verbindungsstudentischen Hintergrundes angefeindet zu werden. Dabei ist gerade die Hochschulpolitik für unsere Mitgliedsverbände von grundlegender Bedeutung und ist verankert im gemeinsamen Scientia-Prinzip: Scientia (lat. Wissenschat) fordert uns als katholische Akademiker dazu auf, in den Diskussionen, um Bildung und Wissenschaft Stellung zu beziehen.

Die Beispiele für die teils völlig willkürliche und undifferenzierte Exklusion von Verbindungsstudenten sind Legion. Exemplarisch seien hier einige Fälle aufgeführt, die veranschaulichen, weshalb Verbindungsstudenten es heutzutage schwer haben, sich hochschulpolitisch zu artikulieren:

Eine häufige Exklusionsstrategie, insbesondere gegenüber katholischen Verbindungsstudenten, ist das Beharren auf einer vermeintlich sexistischen Grundhaltung unserer Mitgliedsverbände. Die Tatsache, dass viele katholische Studentenverbindungen nur Männer aufnehmen, wird teilweise dazu genutzt, um pauschal allen betroffenen Verbindungen eine auf biologische Merkmale fußende Diskriminierung zu unterstellen. So fasste 2015 der AstA an der Uni Konstanz den Beschluss, Studentenverbindungen, die nur Männer aufnehmen, den Zugang zur Infrastruktur des AstA zu verwehren.[6]

Aber auch wenn es um „bloße“ Informationsveranstaltungen oder Diskussionsabende geht, werden Verbindungsstudenten seitens der Hochschulpolitik regelmäßig daran gehindert, sich selbst und ihre Verbindungen in der universitären Gemeinschaft zu repräsentieren: Zum Beispiel indem das Studierendenparlament (StuPa) der Universität Greifswald pauschal alle Verbindungen von einer Informationsveranstaltung für Erstsemester ausschloss.[7] Dass ein Dialog zwischen großen Teilen der politisch aktiven Hochschulgemeinschaft und dem Korporationswesen für viele Akteure von keinem Interesse zu sein scheint, zeigt eine Veranstaltung des Antifaschismusreferates der LMU München zur „Einführung in die Kritik an Studentenverbindungen“, bei der mit fadenscheinigen Argumenten, Verbindungsstudenten als Zuhörer faktisch ausgeschlossen wurden.[8]


Ausschluss der Hochschulpastoral vom Universitätsalltag

Doch nicht nur die katholischen Studentenverbindungen werden von der Gestaltung des Universitätsalltags ausgeschlossen: Immer mehr katholische Hochschulgemeinden werden zum Teil bewusst ausgegrenzt.

Die katholischen Hochschulgemeinden sind mit einer Anzahl von 123 sehr zahlreich und somit an fast allen Hochschulstandorten Deutschlands vertreten. Sie sind im Arbeitskreis katholischer Hochschulgemeinden organisiert.[9]

Die Arbeit der KHG ist am Semester orientiert und so wird neben den Gottesdiensten zum Semesterbeginn und Semesterende ein eigenes Programm mit verschiedenen Aktionen und Events erstellt, die eine Gelegenheit bieten zusammenzukommen und auf der Basis des gemeinsamen katholischen Glaubens andere Studenten aus allen Studiengängen kennenzulernen. Dabei gehen die Angebote von Kochabenden, sozialen Aktionen über musikalische Gruppen bis hin zu sozial- und psychologischen Beratungen. Damit ist die KHG breit aufgestellt.[10]
Um Studentinnen und Studenten auf diese zahlreichen Möglichkeiten aufmerksam zu machen wurde bisher an vielen Hochschulen in den Erstsemesterveranstaltungen dafür geworben. Dies wird nun an einigen Universitäten untersagt. Man argumentiert mit der Säkularisierung zwischen Kirche und Staat. Ob eine bloße Information über die Angebote, die weit mehr abdecken als nur den Hochschulgottesdienst, diese Trennung bereits in Frage stellen bleibt offen.  [11]
Auch das Argument der Gleichberechtigung der Religionen wird angeführt. So müsste man für alle Hochschulgemeinden werben. Interessanterweise wird dies hauptsächlich von den Universitäten und weniger von den Hochschulpfarrern als Problem gesehen. So sind auf den meisten Seiten der Hochschulgemeinden die studentischen Vertreter der anderen Religionen vor Ort aufgeführt. [12]

Partizipation von Studentenverbindungen in Hochschulgemeinden

Nicht nur die Verbundenheit im katholischen Glauben, sondern auch die Gemeinsamkeit des Studierens stellen wichtige Überschneidungspunkte zwischen den Hochschulgemeinden und den Studentenverbindungen dar.

Zwar sind die Studentenverbindungen bei Prozessionen immer zahlreich vertreten, doch fehlt abseits dieser oft in den Hochschulgemeinden das Wissen über die einzelnen Verbindungen.
Gerade weil in den Hochschulgemeinden der gemeinsame Glauben von Bedeutung ist, können gemeinsame Aktionen die Möglichkeit für einen vielseitigen Austausch ermöglichen, der neue Perspektiven eröffnen kann.
Dabei ist es die Aufgabe der Verbindungen, den Austausch mit der KHG zu suchen. Oft sind die Hochschulpfarrer an der Teilnahme der Verbindungen interessiert, jedoch fehlt es an Zeit, um den Austausch gezielt zu fördern. Dabei sollte das Verhältnis nicht einseitig bleiben. Durch gemeinsame Aktivitäten können nicht nur neue Mitglieder für die eigene Verbindung gewonnen werden; die KHG ermöglicht den Studenten auch ihre Anliegen in anderen Gremien formulieren und einbringen zu können.
Hieraus kann sich eine für beide Seiten gewinnbringende Zusammenarbeit ergeben.

All das zeigt nur allzu deutlich, wozu es führen kann, wenn studentische Gremien ihre Daseinsberechtigung mehr in der Ausführung eines allgemeinpolitischen Mandats als in dem Betreiben hochschul- und wissenschaftspolitisch relevanter Politik sehen. Viel zu häufig dominieren Ideologien statt offener Diskurse den Alltag der derzeitigen Hochschulpolitik.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Verbindungsstudentinnen und Verbindungsstudenten gemeinsam mit der KHG auf der Basis ihres gemeinsamen Glaubens die Universität mitgestalten und auf diese Weise Vorurteile abbauen.

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV) folgert daher:

  • Katholische Korporationen müssen als aktiver Bestandteil unserer Hochschullandschaft wertgeschätzt werden;
  • Katholische Korporationen sollten sich auch weiterhin in hochschulpolitischen Angelegenheiten engagieren;
  • Hochschulen müssen weiterhin als freie Orte des Diskurses gelten
  • Die Partizipation in Hochschulgemeinden kann eine sehr gewinnbringende Zusammenarbeit sein für beide Seiten;
  • Die Vorstellung von Hochschulgemeinden sollte weiterhin in der Erstsemesterveranstaltung ermöglicht werden.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Korporation#Studentenwesen; Vgl. Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Sigmaringen 1996, S. 137.

[2] https://www.welt.de/regionales/hamburg/article170116945/Linksextreme-attackieren-Vizechef-der-Jungen-Union.html

[3] https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/christian-lindner-uni-hamburg-begruendet-auftrittsverbot-a-1292927.html ; de Maiziere; Lucke

[4] https://www.welt.de/politik/deutschland/article205768557/Universitaeten-Hochschullehrer-sehen-Meinungsfreiheit-in-Gefahr.html

[5] https://www.agvnet.de/agv-warnt-vor-denkverboten-in-der-deutschen-universitaetslandschaft/

[6] RCDS Konstanz (18.07.2016): Studentenverbindungen auf die Blacklist? Im Internet: http://rcds-konstanz.de/?p=292.

[7] Ostsee Zeitung (14.09.2018): Greifswalder Studierendenparlament schließt Verbindungen aus. Im Internet: https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Greifswald/Greifswalder-Studierendenparlament-schliesst-Verbindungen-aus.

[8]RCDS Bayern: RCDS in Bayern e. V. und RCDS an der LMU kritisieren extremistisches Vorgehen des „Antifaschismusreferats“ der StuVe München. Im Internet:  https://www.rcds-bayern.de/presse-details/rcds-in-bayern-e-v-und-rcds-an-der-lmu-kritisieren-extremistisches-vorgehen-des-antifaschismusreferats-der-stuve-m%C3%BCnchen/.

[9] http://www.fhok.de/strukturen/akh/

[10] https://www.uni-frankfurt.de/70729644/Katholische_Hochschulgemeinde__KHG

[11] https://www.katholisch.de/artikel/19376-religion-gehoert-an-die-unis

[12] https://www.uni-frankfurt.de/44172795/Hochschulgemeinden / http://www.khg-hamburg.de/links.html

Hier geht es zur Pressemeldung auf der Website
Quelle: www.agvnet.de

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